
Thomas Ruf
Fotografie und Informatik
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«Es wird jedoch eine Zeit kommen, da
nichts von grösserem Interesse sein
wird als wahrhaftige Erinnerungen
an die Vergangenheit»
Walt Whitman
Haben Sie sich auch schon gefragt, was mit Ihren Dias im digitalen Zeitalter passieren soll? Vergessen? Wegwerfen? Ungenutzt verstauben lassen? Als auch ich mich vor ein paar Jahren mit dieser Entscheidung herumschlug, wurde rasch klar, dass keine dieser Strategien in Frage käme. Schliesslich befanden sich unter meinen rund 10’000 ausgewählten Kodachrome-Dias viele fotografische Schätze, die ich auf keinen Fall verlieren wollte.
2008 fand ich dann endlich die Zeit, um mit dem Scannen meiner Dias zu beginnen. Von Beginn weg setzte ich mir dabei folgende Ziele: Zum einen sollte die Bildqualität so wenig wie möglich leiden, sodass hochwertige Prints bis ca. 50 x 70 cm weiterhin möglich wären. Und zum anderen sollte der Transformationsprozess nicht nur schnell, sondern auch weitgehend unbeaufsichtigt erfolgen.
Diese Anforderungen vor Augen musste ich mir zunächst über das Vorgehen und die Wahl eines geeigneten Arbeitsgerätes klar werden. Nach umfangreichen Vorabklärungen entschied ich mich für den Diascanner Nikon Super Coolscan 5000 ED.Dies aus folgenden Überlegungen: Die mit einem Diascanner erreichbare Qualität liegt deutlich über derjenigen, die mit einem Flachbettscanner oder bei "Fotografieren ab Dia" möglich ist. Nur mit einem teuren Trommelscanner lässt sich noch ein Quäntchen mehr an Qualität herausholen. Allerdings sind Trommelscanner nicht nur sehr teuer, sondern auch nur für Kleinserien geeignet. In Sachen Schnelligkeit sind spezialisierte Diascanner den meisten anderen Scannern überlegen.
Das Modell Nikon Super Coolscan 5000 ED erfüllte die von mir gesetzten Anforderungen am besten, handelt es sich dabei doch um einen der schnellsten, damalsauf dem Markt erhältlichen Diascanner mit einer überdurchschnittlichen Scanqualität und der Möglichkeit, mit dem optionalen Diamagazin SF-210 ca. 50 Dias im Stapelbetrieb - gelegentliche unvermeidliche Blockaden abgesehen - zu scannen.
Ein erheblichen Nachteil hat der Nikon Super Coolscan 5000 ED dennoch: das Verfahren ICE (Staubkorrektur) funktioniert ausgerechnet bei Kodachrome-Dias nicht. Aufgrund der genannten Vorteile hinsichtlich Qualität und Schnelligkeit blieb ich trotzdem bei meiner Wahl. Allerdings erst, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass sich das Problem bei vorgängiger Reinigung der Dias mit einem weichen Spezialpinsel vermindern lässt - vorausgesetzt der gewählte Arbeitsplatz ist sauber und fusselfrei.
Aus Zeitgründen digitalisierte ich mein ganzes Dia-Archiv im automatischen Stapelbetrieb. Das dafür erforderliche, optional erhältliche Diamagazin SF-210 erlaubte es, jeweils rund 60 Kodachrome-Dias unbeaufsichtigt zu scannen.
Der Scan-Vorgang selbst gestaltete sich relativ einfach, wobei sich die mitgelieferte Software von Nikon bestens bewährte. Ein paar nützliche Tipps möchte ich Ihnen gleichwohl nicht vorenthalten:
Keinem Scan-Aspekt wird soviel Bedeutung zugeschrieben wie der Auflösung. Meine Erfahrungen zeigen eindeutig: 3000 dpi sind für das Scannen von Kodachrome Kleinbild-Dias (25 - 200 DIN) mehr als genug. Damit erreichte ich die besten Resultate. Höhere Auflösungen führten nur zu einer besseren Sichtbarkeit des Kornes und der Bildschäden.
Bei der Speicherung in der Farbtiefe 16 bit können viel mehr Farb- und Helligkeitsstufen abgebildet werden als bei 8 bit. Mit blossem Auge kann man nach dem Scannen zwar keinen Unterschied erkennen, aber spätestens bei der nachfolgenden Bildbearbeitung treten enorme Differenzen zutage. So führt beispielsweise eine Steigerung des Kontrasts bei 8 bit Farbtiefe viel schneller zu einer Posterisierung (Streifenbildung) als bei 16 bit.
Die gescannten Dias importierte ich in die Software Adobe Lightroom und unterzog sie zunächst einer Grobkontrolle. Dabei stellte sich heraus, dass Lightroom das perfekte Werkzeug für die Verwaltung von digitalen Bildarchiven ist. Mit Blick auf die Nachbearbeitung legte ich grossen Wert darauf, die gescannten Rohdateien als unbearbeitete Originale zu behandeln. Weil bereits eine ungeschickte Kratzer-Retouche oder eine unbeabsichtigte Tonwertkorrektur genügen, um wichtige Bild-Informationen unwiederbringlich zu zerstören, erwies sich die Möglichkeit der zerstörungsfreien Lightroom-Bildoptimierung als entscheidender Vorteil.
Nun lag das Resultat meiner bisherigen Bemühungen also vor: Tausende von sogenannten Rohscans im TIFF-Format. Rohscans darum, weil sie mit der automatischen Belichtungssteuerung gemacht worden waren. In qualitativer Hinsicht war dies natürlich nicht optimal, aber nur dank diesem Kompromiss konnte ich mein umfangreiches Dia-Archiv überhaupt in realistischer Zeit scannen.
Weil die TIFF-Rohdateien in 16bit Farbtiefe und im grossen Farbraum Adobe (RGB 1998) vorlagen, verfügte ich über einen enormen Spielraum für die nachträgliche Bildoptimierung in Lightroom. Die meisten Fehler liessen sich somit problemlos korrigieren – darunter auch solche, welche bereits bei der Aufnahme verursacht worden waren. So wurde etwa so manches farbstichige Zelluloid-Dia durch die Bearbeitung in Lightroom erstmals richtig veredelt!
Es würde den Rahmen dieser Zusammenfassung sprengen, auf alle Details der Lightroom-Bearbeitung einzugehen. Ich beschränke mich deshalb auf eine summarische Auflistung der wichtigsten Arbeitsschritte: Ausschnitt wählen, Belichtung und Tiefen einstellen, Farbstich entfernen (Farbtemperatur-Regler), Gradationskurven bearbeiten, selektive Farb-, Luminanz- und Sättigungskorrekturen durchführen, Kameravignettierung entfernen, farbige Farbsäume entfernen (chromatische Aberration), Bildschärfung und Rauschunterdrückung durchführen, lokalen Kontrast verbessern (Klarheit-Regler), Staub- und Flecken retouchieren.
Trotz den herausragenden Eigenschaften von Lightroom kommt man nicht um eine Bildbearbeitung in Adobe Photoshop (oder einer anderen professionelle Software) herum, wenn man das Optimum aus einem Foto herausholen möchte.
Ausgewählte Sujets aus meinem digitalisierten Dia-Archiv unterzog deshalb auch ich einer zusätzlichen Nachbearbeitung mit Photoshop CS5 – ein Programm, das dem Benutzer eine Vielzahl weiterer Korrektur-Möglichkeiten bietet.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Bilddateien gescannter Kodachrome Dias hinsichtlich Farbdarstellung mit denjenigen digitaler Kameras gutmithalten können.
Auch wenn die digitale Technik unter dem Strich zu deutlich schärferen, feineren und detailreichen Fotos führen mag: Es lohnt sich auf jeden Fall, die alten Dias zu digitalisieren. Das illustriert auch die folgende Beispielgalerie. Sie zeigt auf Kodachrome Diafilm aufgenommene Fotos, welche auf die beschriebene Weise eingescannt und aufbereitet wurden.