
Thomas Ruf
Fotografie und Informatik
Im obern Brühl 9
4132 CH-Muttenz | Basel
SCHWEIZ
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«Wenn man zu nah' an einer Sache ist,
sieht man nichts mehr!»
Heiner Müller
Die Panoramafotografie übt auf mich eine grosse Faszination aus, weil sich mit ihr vermitteln lässt, was auf einem herkömmlichen Foto keinen Platz findet: Ausdehnung, Weite und perspektivischer Raum.
Mit Hilfe geeigneter Computer-Software lässt sich aus einer Serie von Einzelaufnahmen ein Panoramafoto höchster Auflösung zusammensetzen, ohne dass nachträglich störende Übergänge oder „Nahtstellen“ zu erkennen sind. Einge Beispiele davon finden Sie unter Panoramen.
Für einfache Panorama-Aufnahmen genügt häufig zwar schon eine kleine Kompakt-Kamera. Wo hingegen grossflächige Prints oder Internet-Präsentationen in Multiresolution-Technik resultieren sollen, drängt sich der Einsatz einer höherwertigen Spiegelreflexkamera auf. Persönlich verwende ich eine Pentax K7 – kombiniert mit einem Festbrennweiten-Objektiv des gleichen Herstellers (z.B. Pentax smc FA 31 mm / 1,8 AL Limited). Bei besonders grossen Aufnahmewinkeln oder in Innenräumen vertraue ich auch gern auf ein Pentax smc DA 12-24 mm / 4,0 ED AL(IF) in der 12mm Stellung. Um bei der Nachbearbeitung den grösstmöglichen Spielraum zu behalten, fotografiere ich praktisch ausnahmslos im RAW-Format.
Foto: Thomas Ruf
Als erstes bestimme ich den durchschnittlichen Belichtungswert über das gesamte Panorama hinweg, wobei ich die bildwichtigste Stelle höher gewichte. Dann stelle die entsprechenden Blenden- und Zeitwerte fix an der Kamera ein. Falls die Helligkeitsdifferenzen zwischen den einzelnen Aufnahmen sehr gross sind, aktiviere ich die Belichtungsreihenautomatik (3 oder 5 Aufnahmen im Abstand 1 bis 2 Blendenstufen).
Die Scharfeinstellung auf die bildwichtigste Ebene führe ich manuell auf der höchsten Zoom-Stufe im LiveView durch. Dieses Vorgehen liefert die präzisesten Resultate. Zu beachten ist, dass der Autofokus vor den einzelnen Aufnahmen abgeschaltet bleibt, damit sich die Scharfeinstellung nicht unbeabsichtigt verändert.
Die eigentliche Panorama-Aufnahme führe ich von links nach rechts durch, wobei sich benachbarte Bilder jeweils um circa 30 Prozent überlappen sollten. Wenn ich ein Stativ eisetzen kann, nutze ich konsequent die Spiegelvorauslösung, um Auslöse-Erschütterungen zu vermeiden. Bei freihändigen Aufnahmen nutze ich dazu die Linien im Sucher und versuche, die Bildüberlappungsbereiche so zu legen, dass sich darin möglichst keine bewegten (oder nahen) Objekte befinden. Beim Nachführen der Kamera bemühe ich mich, den Neigungswinkel stabil zu halten und die Kamera nicht zu verkanten.
Foto: Thomas Ruf
Wo professionelle Resultate gefragt sind, stösst das Freihand-Verfahren jedoch an seine Grenzen: Insbesondere bei umfangreichen Bildfolgen, bei 360-Grad-Panoramen, nahen Motivteilen (z.B. in Innenräumen) und generell bei schlechtem Licht (lange Belichtungszeiten) benutze ich deshalb ein Stativ mit aufgesetztem Nodalpunkt-Adapter Nodal Ninja.
Der Nodalpunkt-Adapter garantiert, dass die Kamera exakt um die optische Achse gedreht wird. Ohne dieses Hilfsmittel käme z.B. ein Pfosten im Vordergrund in einem Bild nicht genau vor der gleichen Hintergrundstelle zu stehen wie im nächsten Bild (Daumensprung-Problem). Fehler bei der nachträglichen Zusammensetzung der Einzelbilder wären somit vorprogrammiert.
Bei Aufnahmen ab Stativ arbeite ich mit einer Spiegelvorauslösung von 2 Sekunden und verwende einen Kalbelauslöser, um mögliche Erschütterungen auf ein Minimum zu reduzieren.
Foto: Thomas Ruf
Nach dem Import der Aufnahmen in Adobe Lightroom führe ich pro Panorama je eine synchrone Entwicklung sämtlicher Einzelbilder durch. Farben und Tonwerte werden dabei so korrigiert, dass sie die Stimmung bei der Aufnahme möglichst realistisch wiedergeben. Sodann korrigiere ich auch die unvermeidlichen Belichtungs-unterschiede zwischen einzelnen Aufnahmen und die optischen Objektivfehler (Randabschattung, Verzeichnung oder Farbränder). Zu diesem Zweck setze ich die Lightroom-Funktion „Belichtungen angleichen“ ein.
Foto: Thomas Ruf
Nach der Bildvorbereitung ist es nun endlich soweit: Die Panorama-Zusammensetzung kann beginnen! Wer mit Lightroom arbeitet, kann zu diesem Zweck die Funktion „In Photoshop zu Panorama zusammenfügen“ nutzen. Vor allem bei Landschafts-Panoramen bediene auch ich mich gern dieser nützlichen Funktion.
Wo hingegen Einfluss auf das Projektionssystem genommen werden soll oder andere Parameter gezielt verändert werden müssen, ist für mich die Panoramasoftware Ptgui erste Wahl. Ptgui ist viel schneller und einfacher zu bedienen als die meisten, heute kostenlos zur Verfügung stehenden Open-Source-Lösungen wie zum Beispiel Hugin. Allerdings gilt auch beim Einsatz von Ptgui: Professionelle Resultate erfordern professionelles Wissen!